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Produktionskennzahlen: Die 7 wichtigsten KPIs in der Produktion

Geschrieben von Thomas Kremer | Sep 5, 2026, 5:21:45 AM

 

 

Produktionskennzahlen helfen Unternehmen, Effizienz, Leistung und Qualität in der Produktion messbar zu machen und gezielt zu verbessern. Zu den wichtigsten KPIs in der Produktion zählen OEE (Overall Equipment Effectiveness), Verfügbarkeit, Ausschussquote, Durchlaufzeit, Produktivität, Stückkosten und Termintreue. Richtig eingesetzt schaffen diese Kennzahlen Transparenz, zeigen Engpässe und Optimierungspotenziale auf und ermöglichen fundierte Entscheidungen für eine effizientere Fertigung.

 

Was sind Produktionskennzahlen?

Produktionskennzahlen sind messbare Werte, mit denen Unternehmen die Leistung, Qualität und Effizienz ihrer Produktion bewerten und steuern. Sie machen Abweichungen sichtbar und schaffen eine Grundlage für fundierte Entscheidungen und kontinuierliche Optimierung.

Typische KPIs (Key Performance Indicators) beantworten beispielsweise folgende Fragen:

  • Wie effizient läuft unsere Produktion?
  • Wo verlieren wir Verfügbarkeit oder Leistung?
  • Wie hoch ist der Ausschuss?
  • Wie lange benötigt ein Auftrag durch die Fertigung?
  • Wo befindet sich ein Engpass?
  • Wie entwickeln sich Stückkosten und Produktionsvolumen?

Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Kennzahlen in der Produktion zu erfassen.

Eine wichtige Kennzahl muss eine konkrete Entscheidung oder Verbesserung unterstützen.

 

Die 7 wichtigsten Produktionskennzahlen im Überblick

Für KMU und Mittelstand haben sich insbesondere folgende Produktionskennzahlen bewährt:

KPI Was wird gemessen? Beispiel aus der Produktion
1. OEE Effektivität einer Maschine oder Anlage aus Verfügbarkeit, Leistung und Qualität Eine Anlage erreicht 78 % OEE. Die Analyse zeigt häufige ungeplante Stillstände als größten Verlust.
2. Anlagenverfügbarkeit Anteil der geplanten Produktionszeit, in der tatsächlich produziert werden kann Von 8 Stunden geplanter Zeit steht eine Maschine 1 Stunde ungeplant still.
3. Ausschussquote Anteil fehlerhafter Produkte an der produzierten Menge Von 1.000 gefertigten Teilen sind 30 Ausschuss – die Ausschussquote beträgt 3 %.
4. Durchlaufzeit Zeit vom Start bis zur Fertigstellung eines Auftrags Ein Auftrag benötigt 5 Tage, obwohl nur 6 Stunden tatsächlich daran gearbeitet wird.
5. Produktivität Verhältnis von produziertem Output zum eingesetzten Input Eine Montagelinie steigert ihren Output bei gleicher Mitarbeiterzahl von 400 auf 450 Stück.
6. Stückkosten Kosten je produziertem Gutteil Durch weniger Ausschuss und kürzere Rüstzeiten sinken die Kosten von 18 € auf 16 € pro Stück.
7. Termintreue Anteil der Aufträge, die zum zugesagten Termin fertiggestellt werden 92 von 100 Aufträgen werden termingerecht abgeschlossen – die Termintreue beträgt 92 %.

Diese Key Performance Indicators betrachten unterschiedliche Bereiche. Erst gemeinsam entsteht ein realistisches Bild der Produktion.

 

1. OEE – Overall Equipment Effectiveness

Die OEE (Overall Equipment Effectiveness) gehört zu den bekanntesten Produktionskennzahlen. Sie zeigt, wie effektiv eine Maschine oder Anlage während der geplanten Produktionszeit tatsächlich arbeitet.

Die OEE verbindet drei Faktoren:

OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität

Ein Beispiel:

  • Verfügbarkeit: 90 %
  • Leistung: 90 %
  • Qualität: 98 %

Daraus ergibt sich:

OEE = 0,90 × 0,90 × 0,98 = 79,4 %

Die Kennzahl zeigt nicht nur, dass Leistung verloren geht, sondern hilft auch dabei zu erkennen, wo die Verluste entstehen.

Was sagt die OEE in der Praxis aus?

OEE-Verlust Typische Ursache
Verfügbarkeit Störungen, ungeplante Stillstände, lange Rüstzeiten
Leistung reduzierte Geschwindigkeit, kurze Stopps
Qualität Ausschuss, Nacharbeit, Anfahrverluste

Für Lean Production ist diese Unterscheidung besonders hilfreich, weil Verbesserungsmaßnahmen gezielter angesetzt werden können.

Wichtig: Eine hohe OEE allein bedeutet noch nicht automatisch eine effiziente Gesamtproduktion. Wird eine Maschine maximal ausgelastet und produziert dadurch unnötige Bestände, kann das Gesamtsystem trotzdem ineffizient sein.

 

2. Anlagenverfügbarkeit

Die Verfügbarkeit zeigt, welcher Anteil der geplanten Produktionszeit tatsächlich für die Fertigung genutzt werden konnte.

Verfügbarkeit = tatsächliche Laufzeit / geplante Produktionszeit × 100

Beispiel:

Eine Maschine soll innerhalb einer Schicht 450 Minuten produzieren. Durch eine ungeplante Störung fallen 45 Minuten aus.

Verfügbarkeit = 405 / 450 × 100 = 90 %

Sinkt die Verfügbarkeit regelmäßig, sollten die Ursachen genauer analysiert werden.

Typische Gründe sind ungeplante Maschinenstillstände, fehlendes Material, fehlendes Personal oder technische Störungen.

 

3. Ausschussquote

Die Ausschussquote misst, wie viel Prozent des Produktionsvolumens aufgrund von Qualitätsmängeln nicht als Gutteile verwendet werden können.

Ausschussquote = Ausschuss / produzierte Gesamtmenge × 100

Werden beispielsweise 2.000 Produkte gefertigt und 60 davon als Ausschuss bewertet, beträgt die Ausschussquote:

60 / 2.000 × 100 = 3 %

Eine hohe Ausschussquote verursacht nicht nur Materialkosten. Auch Maschinenzeit, Personal und Energie wurden bereits verbraucht.

Deshalb sollten Leistung und Qualität nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

 

4. Durchlaufzeit

Die Durchlaufzeit beschreibt, wie lange ein Auftrag benötigt, um die Produktionsprozesse vom Start bis zur Fertigstellung zu durchlaufen.

Gerade aus Lean-Sicht ist diese Kennzahl besonders interessant.

Ein Auftrag kann beispielsweise fünf Tage in der Produktion verbringen, obwohl nur sechs Stunden tatsächlich daran gearbeitet wird.

Der Rest besteht aus:

  • Wartezeit
  • Liegezeit
  • Transport
  • Zwischenbeständen
  • Rückfragen

Hier liegt häufig ein erhebliches Potenzial zur Optimierung.

Kürzere Durchlaufzeiten ermöglichen weniger Bestände, schnellere Reaktionen auf Kundenwünsche und eine höhere Termintreue.

 

5. Produktivität

Die Produktivität setzt den erzeugten Output ins Verhältnis zum benötigten Input.

Produktivität = Output / Input

Der Input kann beispielsweise Arbeitsstunden, Maschinenstunden oder eingesetztes Material sein.

Beispiel:

Eine Montagelinie produziert mit 5 Mitarbeitern pro Schicht 400 Produkte. Nach einer Verbesserung der Arbeitsabläufe entstehen mit denselben Ressourcen 450 Produkte.

Die Produktivität ist gestiegen.

Aber auch hier gilt:

Mehr produzieren ist nur dann effizient, wenn die zusätzliche Menge tatsächlich benötigt wird.

Überproduktion gehört im Lean Management zu den zentralen Formen der Verschwendung.

 

6. Stückkosten

Die Stückkosten zeigen, welche Kosten durchschnittlich für ein produziertes Gutteil entstehen.

Stückkosten = Produktionskosten / Anzahl Gutteile

Sie werden unter anderem beeinflusst durch:

  • Materialverbrauch
  • Personalaufwand
  • Maschinenzeiten
  • Ausschuss
  • Nacharbeit
  • Rüstzeiten
  • Produktionsvolumen

Für die Steuerung sollten Stückkosten nicht isoliert betrachtet werden.

Große Lose können beispielsweise rechnerisch günstige Stückkosten erzeugen, gleichzeitig aber Bestände, Durchlaufzeiten und Kapitalbindung erhöhen.

Eine strategisch sinnvolle Entscheidung berücksichtigt deshalb mehrere KPIs gleichzeitig.

 

7. Termintreue

Die Termintreue zeigt, wie zuverlässig die Produktion ihre geplanten beziehungsweise zugesagten Fertigstellungstermine erreicht.

Termintreue = termingerecht abgeschlossene Aufträge / abgeschlossene Aufträge × 100

Werden von 100 Aufträgen 92 termingerecht abgeschlossen, beträgt die Termintreue:

92 %

Eine dauerhaft niedrige Termintreue kann auf verschiedene Probleme hinweisen:

  • instabile Produktionsprozesse
  • Engpässe
  • Materialmangel
  • ungeplante Störungen
  • unrealistische Produktionsplanung
  • lange Durchlaufzeiten

Damit verbindet diese Kennzahl die interne Produktionsleistung unmittelbar mit der Kundenzufriedenheit.

 

Produktionskennzahlen richtig einsetzen

KPIs sind kein Selbstzweck. Sie sollten Mitarbeitern und Führungskräften helfen, Probleme schneller zu erkennen und die richtigen Maßnahmen abzuleiten.

In der Praxis empfehlen wir einen einfachen Kreislauf:

Schritt Umsetzung in der Praxis
Ziel definieren Beispielsweise Durchlaufzeit um 20 % reduzieren
Relevante KPI wählen Durchlaufzeit und Umlaufbestand statt 20 verschiedener Kennzahlen
In Echtzeit visualisieren Aktuelle Werte auf Shopfloor-Boards oder Dashboards darstellen
Abweichungen erkennen Soll- und Ist-Werte unmittelbar vergleichen
Ursachen analysieren Warum wurde das Ziel nicht erreicht?
Maßnahmen umsetzen Engpass, Störung oder Verschwendung gezielt bearbeiten
Kontinuierlich verbessern Wirkung prüfen und den Prozess weiterentwickeln

Wo sinnvoll, können Datenerfassung und Dashboards automatisiert werden. Dadurch stehen Produktionskennzahlen schneller und teilweise nahezu in Echtzeit zur Verfügung.

 

Welche Produktionskennzahlen sind für mein Unternehmen relevant?

Nicht jedes Unternehmen benötigt dieselben KPIs.

Ein Serienfertiger mit hochautomatisierten Anlagen benötigt andere Kennzahlen als eine variantenreiche Montage.

Die Auswahl sollte sich deshalb immer am konkreten Problem orientieren.

Wenn Maschinen häufig stehen: OEE und Verfügbarkeit betrachten.

Wenn Lieferzeiten zu lang sind: Durchlaufzeit und Bestände analysieren.

Wenn Kosten steigen: Ausschussquote, Produktivität und Stückkosten prüfen.

Wenn Kundenaufträge zu spät kommen: Termintreue, Engpässe und Produktionsplanung betrachten.

Die Relevanz einer Kennzahl entsteht also dadurch, dass sie einen konkreten Handlungsbedarf sichtbar macht.

 

Häufiger Fehler: Zu viele KPIs

Ein Dashboard mit 30 Kennzahlen sieht professionell aus – hilft dem Shopfloor aber nicht automatisch weiter.

Für eine wirksame Steuerung sind häufig wenige, klar definierte KPIs besser.

Jede Kennzahl sollte drei Fragen beantworten:

Was messen wir? Warum messen wir es? Was tun wir bei einer Abweichung?

Kann die dritte Frage niemand beantworten, sollte geprüft werden, ob die Kennzahl überhaupt benötigt wird.

 

Produktionskennzahlen: Das Wichtigste zusammengefasst

Produktionskennzahlen machen Leistung, Qualität und Effizienz in der Produktion messbar. Zu den wichtigsten KPIs zählen OEE, Verfügbarkeit, Ausschussquote, Durchlaufzeit, Produktivität, Stückkosten und Termintreue.

Für KMU und Mittelstand gilt dabei:

Nicht möglichst viele Daten führen zu einer besseren Produktion, sondern die richtigen Kennzahlen und daraus abgeleitete Maßnahmen.

Wer KPIs strategisch auswählt, transparent visualisiert und kontinuierlich zur Verbesserung der Produktionsprozesse nutzt, schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen und eine effizientere Fertigung.

 

FAQ zu Produktionskennzahlen

Was sind Produktionskennzahlen?

Produktionskennzahlen sind messbare Werte zur Bewertung und Steuerung von Leistung, Qualität und Effizienz einer Produktion. Sie werden häufig als KPIs bezeichnet.

Was bedeutet KPI in der Produktion?

KPI steht für Key Performance Indicator. KPIs sind besonders relevante Kennzahlen, mit denen Unternehmen die Erreichung ihrer Produktionsziele überwachen.

Was sind die wichtigsten Kennzahlen in der Produktion?

Zu den wichtigsten Produktionskennzahlen gehören OEE, Verfügbarkeit, Ausschussquote, Durchlaufzeit, Produktivität, Stückkosten und Termintreue.

Was ist OEE?

OEE steht für Overall Equipment Effectiveness und bewertet die Effektivität einer Maschine oder Anlage anhand der Faktoren Verfügbarkeit, Leistung und Qualität.

Warum sind Produktionskennzahlen wichtig?

Produktionskennzahlen machen Abweichungen und Verbesserungspotenziale sichtbar. Dadurch können Unternehmen ihre Produktionsprozesse gezielt optimieren und Entscheidungen auf Basis konkreter Daten treffen.

Wie viele Produktionskennzahlen sollte ein Unternehmen verwenden?

Es gibt keine pauschal richtige Anzahl. In der Praxis sind wenige relevante KPIs meist wirkungsvoller als eine große Menge an Kennzahlen ohne klare Konsequenz.

Produktionskennzahlen mit Lean Management verbessern

Produktionskennzahlen zeigen, wo ein Problem liegt. Lean Management hilft dabei zu verstehen, warum es entsteht und wie es nachhaltig beseitigt werden kann.

b-k-p Consulting unterstützt KMU und mittelständische Unternehmen dabei, relevante Produktionskennzahlen zu definieren, Transparenz in der Fertigung zu schaffen und Produktionsprozesse nachhaltig zu optimieren.

Dabei geht es nicht um möglichst komplexe Dashboards.

Es geht um die richtigen Kennzahlen, klare Entscheidungen und messbare Verbesserungen in der Produktion.